Zum Einstieg
Der Impressionismus revolutionierte die Malerei radikal. Statt klarer Konturen, historischer Themen oder sozialer Botschaften ging es nun um den flüchtigen Eindruck eines Augenblicks.
Der Name stammt ursprünglich als Spott:
„Impression, Sonnenaufgang“ (1872) von Claude Monet
Ein Kritiker meinte abfällig: „Das ist keine Malerei, das ist nur eine Impression.“
Der Name blieb – und wurde Programm.
Zentrale Ideen
Nicht was gemalt wird, sondern wie es erscheint Wahrnehmung statt Wirklichkeit Augenblick statt Ewigkeit Licht wichtiger als Linie
Typische Merkmale
Sichtbarer, lockerer Pinselstrich Reine Farben, kaum Schwarz Farben mischen sich im Auge des Betrachters Freilichtmalerei (en plein air) Momenthafte Szenen: Alltag, Natur, Stadtleben Verzicht auf harte Konturen
Gesellschaftliche & technische Hintergründe
🎨 Neue Farben
Industriell hergestellte Tubenfarben Malen im Freien wird erst möglich
📸 Fotografie
Entlastet die Malerei vom „Abbilden-Müssen“ Künstler konzentrieren sich auf Wahrnehmung & Licht
🚆 Moderne Welt
Eisenbahn, Großstadt, Cafés, Freizeit Neue Motive: Boulevards, Bahnhöfe, Badende, Tanzsäle
Zentrale Künstler & Werke
🌸 Claude Monet (1840–1926)
Der Maler des Lichts
Impression, Sonnenaufgang Seerosen-Serie Kathedrale von Rouen (gleicher Ort, anderes Licht!)
🩰 Edgar Degas (1834–1917)
Bewegung und Moment
Tänzerinnen, Proben, Blicke „wie zufällig“
🌿 Pierre-Auguste Renoir (1841–1919)
Lebensfreude, Menschen, Nähe
Bal du moulin de la Galette
🌧️ Camille Pissarro
Stadtlandschaften, soziale Nähe
👩 Berthe Morisot & Mary Cassatt
Frauen im Impressionismus – neue Perspektiven auf Alltag & Intimität
Warum der Impressionismus so besonders ist
Beginn der modernen Malerei Bruch mit akademischen Regeln Kunst wird subjektiv Sehen wird wichtiger als Wissen
Oder anders gesagt:
Der Impressionismus malt nicht die Welt – er malt das Sehen selbst.
Impressionismus – Vertiefung
1. Licht ist das eigentliche Motiv
Im Impressionismus ist das Objekt oft nur Vorwand.
Das wahre Thema ist das Licht:
Morgenlicht ≠ Mittagslicht ≠ Abendlicht Sonnenlicht ≠ Schatten ≠ reflektiertes Licht Wetter, Jahreszeit, Atmosphäre verändern alles
👉 Deshalb malte Claude Monet dieselben Motive immer wieder:
Kathedrale von Rouen (über 30 Versionen) Heuhaufen Seerosen
Nicht das Bauwerk ist wichtig – sondern wie es erscheint.
2. Farbe ersetzt die Linie
Akademische Malerei:
Erst Zeichnung Dann Ausmalen
Impressionismus:
Farbe formt die Dinge Linien lösen sich auf Formen entstehen im Auge des Betrachters
💡 Ein Baum ist nicht „grün“:
im Schatten → violett/blau im Licht → gelblich im Gegenlicht → kühl
3. Kein Schwarz – warum eigentlich?
Viele Impressionisten mieden Schwarz fast vollständig.
Stattdessen:
Schatten = Komplementärfarben Schwarz „tötet“ das Licht
Beispiel:
Gelbes Licht → violetter Schatten Rotes Objekt → grünlicher Schatten
➡️ Das Bild beginnt zu flimmern.
4. Der Pinselstrich darf sichtbar sein
Im Impressionismus gilt:
„Man soll sehen, dass gemalt wurde.“
Kurze, schnelle Pinselstriche Tupfen, Striche, Flecken Keine glatte Oberfläche
Das Bild wirkt aus der Nähe fast chaotisch –
aus der Distanz plötzlich stimmig und lebendig.
5. Der Moment zählt
Impressionistische Bilder wirken oft angeschnitten zufällig komponiert, wie ein Schnappschuss.
Einfluss der Fotografie: ungewöhnliche Bildausschnitte Bewegung im Bild, Figuren nicht „zentriert“
Degas ist hier besonders modern.
6. Warum der Impressionismus bis heute so beliebt ist
Er ist zugänglich, aber nicht banal.
Er spricht Gefühl und Wahrnehmung an.
Er wirkt modern, frisch, offen.
Er verlangt keine Vorbildung – nur Sehen.
Er verlangt nichts – er lädt ein.
7. Ein Gedanke zum Mitnehmen
Der Impressionismus fragt nicht:
„Was ist die Welt?“
sondern:
„Wie fühlt es sich an, sie zu sehen?“
„Erstelle ein typisches impressionistisches Gemälde von einer Landschaft im Sommer. Eine Baumgruppe steht am Rande eines Feldes. Im Schatten der Bäume haben Bauern und ihre Pferde Schutz vor der Mittagssonne gefunden und ruhen sich aus.“



















