Archiv der Kategorie: Datenschutz

Datenschutz, informationelle Selbstbestimmung, DS-GVO

WhatsApp mal wieder

Wissenschaftlern der Universität Wien haben vor zwei Tagen ein Paper veröffentlicht. Ihnen ist es ohne großen Aufwand gelungen, 3,5 Mrd. Nutzerkonten von WhatsApp auszulesen. Dabei sammelten sie zusätzlich öffentliche Metadaten wie Profilbilder, „About“-Status, (Android/iOS, Zusatzgeräte wie WhatsApp Web) sowie Kryptografische Schlüssel, die für die verschlüsselte Kommunikation verwendet werden.

Was bin ich froh, meinen WhatsApp-Account schon vor vielen Jahren aufgegeben habe. Mit Signal, Threema oder, mein persönlicher Favorit, Element (basierend auf dem Matrixprotokoll) gibt es doch ausreichend sichere Alternativen. .

Anthropic ändert Verbraucherbedingungen und Richtlinien

Athropic, das Unternehmen hinter dem Chatbot Claude, hat seine Verbraucherbedingungen geändert. Ab 28. September 2025 werden die Benutzerchats zu Trainingszwecken genutzt. Bei Bestandskunden erscheint ein Popup, in dem entschieden werden kann, wie damit umzugehen ist.

Für Neukunden erscheint die Abfrage im Anmeldeprozess.

Nachträgliche Änderungen der Einstellung sind über „Einstellungen“ – „Datenschutz“ möglich.

Was in einer Woche passieren wird

Der Meta-Konzern wird ab kommender Woche Freitag User-Content auf Facebook und Instagram nutzen, um seine KI-Datenmodelle mit diesen Daten zu trainieren. Ist das cool?

Es gibt zumindest die Option, aktiv zu widersprechen:

Facebook: https://m.facebook.com/help/contact/712876720715583?wtsid=rdr_0mmJ6sdXHdKTrx3ki


Instagram: https://help.instagram.com/contact/767264225370182

Bei Aufrufen der obigen Links sollte vorher der Account bereits im Browser angemeldet sein.

Ich denke, dass eine Entscheidung zum Wahrnehmen des Widerspruchsrechtes eine persönliche Entscheidung ist. Meine Mata-Accounts sind schon lange inaktiv. Ich würde aber widersprechen.

Bemerkenswerter Bericht der Landesbeauftragten für den Datenschutz und Akteneinsicht Brandenburg

In ihrem im Mai 2025 veröffentlichten Bericht legt die Landesbeauftragte aus Brandenburg einen Schwerpunkt auf das Thema KI. Ein verantwortungsvoller Umgang mit KI ist nur dann möglich, wenn Mitarbeitende in die KI-Nutzung eingewiesen werden. Darunter versteht der europäische Gesetzgeber unter anderem die Fähigkeit und das Wissen, KI-Systeme fachgerecht zu nutzen sowie die Chancen und Risiken der Künstlichen Intelligenz und mögliche Schäden, die durch sie entstehen können, zu erkennen.

Meine Lieblingssuchmaschinen gehen zusammen

Ich habe zwei Suchmaschinen, die ich gerne nutze – Qwant und Ecosia. Beide haben sich zu EUSP (European Search Perspectives) mit Sitz in Paris zusammengetan. Geplanter Start ist 2025 und verfügbar soll die neue Suchmaschine in deutscher und in französischer Sprache sein.

Ich finde, wir sehen auch im Suchmaschinenmarkt gerade den Versuch, mit europäischen Initiativen die Vormacht aus den USA und China einzuschränken, spät, aber nicht zu spät.

Die Grundwerte beider Unternehmen werden vereint: Ökologie und Datenschutz.

Die Nutzerdaten bleiben in der EU und somit unter dem Schirm der DS-GVO. Strategie und Perspektive setzen ihren Fokus ebenfalls auf Europa.

„Verdammte“ Cookie-Banner

Ein Artikel auf Legiscope beschreibt, wie Cookie-Banner in Europa zu einem erheblichen Produktivitätsverlust führen. Europäer verbringen jährlich 575 Millionen Stunden mit dem Klicken auf Cookie-Banner. Wirtschaftlich geschätzt kostet uns das 14,375 Milliarden Euro in der EU. Obwohl sie den Datenschutz stärken sollen, bieten die Banner oft wenig echte Privatsphäre-Vorteile.

Vielen Anwendern ist das lästige Anpassen der Cookie-Einwilligung zu viel. Im Ergebnis wird zu oft „Alle akzeptieren“ gewählt. Wenn Cookies nix tun und nur spielen wollen, könnte man ja die datenschutzfreundlichste Einstellung als Voreinstellung definieren. Wer mehr geben will, kann dann die Einstellung anpassen.

Mehr Infos: Legiscope Blog.

Türkei sperrt Instagram

Das soziale Netzwerk Instagram des Meta-Konzerns ist in der Türkei nur noch über VPN-Verbindungen erreichbar, berichten tagesschau.de und Der Standard.

Wie der türkische Cyberrechtsaktivist Yaman Akdeniz auf der Plattform X schrieb, sei der Grund „die nationale Sicherheit und der Schutz der öffentlichen Ordnung“.

Zuvor hatte Instagram Beileidsbekundungen aus der Türkei zur Tötung von Hamas-Führer Ismail Haniyya gelöscht.

Der Bundesbeauftragte für den Datenschutz und die Informationsfreiheit verabschiedet sich

Am 6. Juli 2024 endet die Amtszeit von Prof. Ulrich Kelber als Bundesbeauftragter für den Datenschutz und die Informationsfreiheit. Selten habe ich ein Ausscheiden eines Politikers aus seinem Amt so bedauert, wie in diesem Fall. Leider viel zu selten treffen Kompetenz, Durchsetzungswille, internationale Vernetzung und nationale Einbindung in politische Entscheidungsprozesse aufeinander.

Ich habe Prof. Kelber als Redner zu Datenschutzfragen erlebt. Bei ihm wäre ich gern Student. Sein persönlicher Rückblick auf eine über fünfjährige Amtszeit ist hier nachzulesen.

Worin bestehen seine und die Leistungen der von ihm bisher geleiteten Behörde? Er treibt Digitalisierung in Deutschland voran. Zeitgemäße Kommunikationsformen, digitale Aktenführung oder Cell Broadcasting als Warnmöglichkeit in Extremsituationen wurden voran gebracht.

Die Schaffung eines einheitlichen Datenschutzniveaus und die permanente Überprüfung der gesetzlichen Grundlagen an der Praxis sind ebenfalls mit sein Verdienst. Grundrechte erhalten, Überwachung minimieren oder KI-Einsatz regulieren sind nur einige Baustellen, an denen er europaweit oder auch global gearbeitet hat.

Was mir besonders gut gefallen hat, waren zwei Projekte seiner Behörde. Die Pixi-Buchreihe vermittelt kindgerecht Grundlagen zum Datenschutz. Alle Bücher dieser Reihe stehen bei mir zu Hause im Bücherregal. Der Gang zu Mastodon und das Betreiben einer eigenen Serverinstanz durch die Behörde stellte einen wichtigen Schritt weg von Twitter/X hin zu einer besseren Plattform dar.

Ich wünsche mir, dass Prof. Kelber dem Thema Datenschutz gewogen bleibt, dass er weiter Stellung bezieht und den Finger in die schlimmsten Wunden legt.